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Alloy-Kore-Plattform für softwaredefinierte Fahrzeuge
Eine gemeinsam entwickelte Basis-Softwareplattform von Vector und QNX standardisiert zentrale Fahrzeugsoftware-Schichten und vereinfacht die sicherheitszertifizierte SDV-Entwicklung.
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Die zunehmende Komplexität softwaredefinierter Fahrzeuge (SDVs) führt dazu, dass Automotive-Softwareteams einen erheblichen Teil ihrer Ressourcen in die Integration von Infrastruktur statt in die Entwicklung neuer Funktionen investieren. Auf der CES 2026 in Las Vegas (7.–10. Januar 2026) stellten Vector und QNX, eine Geschäftseinheit von BlackBerry Limited, Alloy Kore vor – eine gemeinsam entwickelte Basisplattform für Fahrzeugsoftware, die die Entwicklung von SDVs in Pkw- und Nutzfahrzeuganwendungen vereinfachen soll.
Weniger Integrationsaufwand in SDV-Architekturen
Moderne Fahrzeugarchitekturen erfordern die Integration sicherheitskritischer Betriebssysteme, Middleware, Virtualisierung und Cybersecurity-Mechanismen über mehrere Domänen hinweg. OEMs fordern zunehmend standardisierte, vorintegrierte Plattformsoftware von etablierten Zulieferern, um Integrationsrisiken zu reduzieren, Entwicklungszeiten zu verkürzen und regulatorische Anforderungen an funktionale Sicherheit und Cybersicherheit zu erfüllen.
Alloy Kore wurde entwickelt, um diesen Bedarf zu adressieren, indem es eine gemeinsame, schlanke Softwarebasis für unterschiedliche Fahrzeugprogramme bereitstellt. Die Plattform kombiniert das sicherheitszertifizierte Betriebssystem und die Virtualisierungstechnologien von QNX mit der sicheren Automotive-Middleware von Vector. Daraus entsteht eine einheitliche Basisschicht für die Bereitstellung von Anwendungen in zentralisierten und domänenbasierten Elektronikarchitekturen. Durch die Konsolidierung dieser grundlegenden Softwarekomponenten reduziert Alloy Kore den Integrationsaufwand und ermöglicht es Entwicklungsteams, sich stärker auf applikationsseitige Differenzierung zu konzentrieren.
Einsatzbereich in zentralisierten Fahrzeugrechnern
Die Plattform ist für SDV-Architekturen ausgelegt, die auf zentralisierten, leistungsstarken Steuergeräten basieren. Ihre modulare Middleware und Virtualisierungsfunktionen unterstützen die Entkopplung von Hardware- und Software-Lebenszyklen und erlauben die Einführung neuer digitaler Funktionen unabhängig von der zugrunde liegenden Steuergerätehardware. Dieser Ansatz erleichtert zudem Over-the-Air-Updates über gesamte Fahrzeugflotten hinweg – eine zentrale Voraussetzung für die kontinuierliche Erweiterung von Fahrzeugfunktionen innerhalb einer digitalen Lieferkette.
Nach Angaben der Unternehmen ist die Architektur auf Skalierbarkeit über mehrere Fahrzeugdomänen hinweg ausgelegt. Anwendungen können konsistent ausgerollt werden, während sicherheitskritische und nicht sicherheitskritische Workloads voneinander isoliert bleiben. Diese Mechanismen sind zentral für die Umsetzung von funktionaler Sicherheit und Cybersicherheitsanforderungen in komplexen Fahrzeugsystemen.
Frühe OEM-Evaluierung und Entwicklungszugang
Mehrere Automobilhersteller, darunter Mercedes-Benz, evaluieren Alloy Kore bereits im Rahmen ihrer nächsten SDV-Generationen. Im Fokus dieser Evaluierungen steht, wie eine standardisierte Plattform zentralisierte Rechnerarchitekturen, modulare Softwareintegration und flächendeckende Software-Updates unterstützen kann, während sich die Markteinführungszeiten neuer Fahrzeugfunktionen verkürzen.
Eine Early-Access-Version von Alloy Kore ist über verschiedene Distributionsmodelle von Vector oder QNX verfügbar. OEMs erhalten damit Flexibilität bei der Integration der Plattform in bestehende Entwicklungsumgebungen. Diese frühe Phase dient der Prototypenentwicklung, Systemintegration und technischen Rückmeldungen vor der vollständigen Zertifizierung.
Sicherheit, Cybersecurity und Branchenabstimmung
Die zertifizierte Version von Alloy Kore ist für Ende 2026 geplant und soll die Anforderungen der funktionalen Sicherheit bis ISO 26262 ASIL D sowie der automobilen Cybersicherheit gemäß ISO/SAE 21434 erfüllen. Diese Zertifizierungen sind entscheidend für den Einsatz einer gemeinsamen Softwarebasis in sicherheitsrelevanten Fahrzeugfunktionen.
Über einzelne OEM-Projekte hinaus ist Alloy Kore als Referenzarchitektur für breitere Softwareinitiativen der Automobilindustrie vorgesehen. Vector und QNX planen unter anderem die Unterstützung von Initiativen wie Eclipse S-CORE und SOAFEE, um die Interoperabilität im automobilen Datenökosystem zu verbessern und die Fragmentierung von SDV-Software-Stacks zu reduzieren.
Einordnung im SDV-Plattformumfeld
Anstatt neue Anwendungsframeworks einzuführen, konzentriert sich Alloy Kore auf die Standardisierung und Zertifizierung der untersten Ebenen des Fahrzeugsoftware-Stacks. Durch die Kombination eines etablierten Echtzeitbetriebssystems, von Virtualisierung und Automotive-Middleware in einer vorintegrierten Plattform zielt der Ansatz auf messbare Reduktionen von Integrationsaufwand und Entwicklungsrisiken ab – Faktoren, die SDV-Programme bislang häufig ausgebremst haben.
Mit der weiter wachsenden Softwarekomplexität in Fahrzeugen zeigen Plattformen wie Alloy Kore, wie gemeinsame, sicherheitszertifizierte Grundlagen den Entwicklungsfokus von Infrastruktur auf fahrzeugspezifische Funktionen verlagern können, ohne Abstriche bei Sicherheits- und Cybersicherheitsstandards zu machen.
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